General Anzeiger - Bonn  (08/14/2000)


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Berlin erinnert sich an Mauerbau und Teilung 

Am Checkpoint Charlie entstand eine Nachbildung des ersten alliierten Grenzpostens der Stadt

 

Manfred und Frank Heyn neben der `neuen´ Kontrollbarracke 39Jahre nach dem Mauerbau steht am ehemaligen alliierten Grenzposten "Checkpoint Charlie" in Berlin-Kreuzberg wieder ein originalgetreu nachgebautes Kontrollhaus. Zwei als US-Militärpolizisten gekleidete Deutsche des USMVC Berlin trugen gestern bei der Einweihung zur Authenzität des Eindrucks bei.

Foto: AP

BERLIN.  Mit der eindringlichen Mahnung, eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Teilung nicht zu vergessen, hat Berlin gestern des Mauerbaus vor 39 Jahren gedacht.  Mit Ansprachen und Kranzniederlegungen erinnerten Politiker und ausländische Gäste auf zahlreichen Gedenkfeiern an die Opfer des 28-jährigen DDR-Grenzregimes.  Im Berliner Bezirk Kreuzberg präsentierte das Museum "Haus am Checkpoint Charlie" am Mittag den originalgetreuen Nachbau des ersten alliierten Grenzpostens in der einst geteilten Stadt.  "Uns Zeitgenossen bleibt die Aufgabe, zu retten, was war", sagte der Direktor des Mauermuseums, Rainer Hildebrandt.  Er hatte den rund 200 000 Mark teuren Nachbau der einstigen Kontrollbaracke der US-Streitkräfte angeregt. 

Der so genannte Checkpoint Charlie war mehrmals Schauplatz weltgeschichtlicher Ereignisse.  Im Oktober 1961 standen sich hier amerikanische und russische Panzer gegenüber.  Am 17.  August 1962 wurde der 18-jährige Flüchtling Peter Fechter in unmittelbarer Nähe an der Grenze angeschossen und verblutete im so genannten Todesstreifen.  Mit einer Kranzniederlegung erinnerte das Land Berlin an Fechters Tod.  Zur Erinnerung war in der Zimmerstraße in Kreuzberg eine bronzefarbene 2,40 Meter hohe Metallsäule des Bildhauers Karl Biedermann errichtet worden. 

An der hessisch-thüringischen Grenze wurde ein Denkmal am ehemaligen US-Stützpunkt"Point Alpha" enthüllt worden.  Das Mahnmal zwischen Geisa und Rasdorf ist den Opfern der deutschen Teilung, den Mutigen der friedlichen Revolution von 1989 und den Erbauern der Wiedervereinigung gewidmet.  Die Ministerpräsidenten Hessens und Thüringens, Roland Koch und Bernhard Vogel (beide CDU), betonten bei einer Feierstunde, die leidvolle Erfahrung der deutschen Teilung dürfe nicht in Vergessenheit geraten. 

Im Morgengrauen des 13.  August 1961 hatte der Mauerbau unter Leitung des späteren Staats- und SED-Chefs Erich Honecker begonnen.  Von 1961 bis 1989 flohen dennoch etwa 40 000 Menschen auf abenteuerlichem Weg in den Westen.  Mindestens 78 aber kamen bei Fluchtversuchen an der Mauer ums Leben.  Zur Zahl der Toten gibt es unterschiedliche Zählweisen.  Der Berliner Staatsanwaltschaft sind rund 270 getötete Flüchtlinge an der innerdeutschen Grenze bekannt, die durch direkte Gewaltanwendung wie Schüsse oder Minen ums Leben kamen.  Dagegen spricht die "Arbeitsgemeinschaft 13.  August" nach neuesten Recherchen von 957 Toten durch das Grenzregime in den Jahren 1948 bis 1989.  Sie zählt unter anderem auch Fälle ohne Fremdeinwirkungen - wie Ertrunkene in der Ostsee - mit. dpa

 


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